Rund 40 Gäste werfen einen Blick hinter die Kulissen und diskutieren über die Bedeutung des Handwerks für Westfalen
Münster/ Hamm. „Werte schaffen, Zukunft gestalten – das HBZ als Ausbildungsschmiede der Handwerkskammer Münster“, unter diesem Leitmotiv haben rund 40 Mitglieder des Westfalen e. V. und des VdU Landesverbandes Westfalen am Donnerstag einen Blick hinter die Kulissen des Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) Münster geworfen.
„Werte schaffen, Zukunft gestalten – genau das geschieht hier Tag für Tag. In Werkstätten, in Seminarräumen, in Prüfungen. Hier nehmen Handwerks-Karrieren Formen an. Hier werden aus Lehrlingen Fachkräfte, aus Gesellinnen und Gesellen Meisterinnen und Meister, aus Ideen Betriebe“, sagte Jürgen Kroos als Präsident der Handwerkskammer Münster (HWK) in seinem Impulsvortrag.
Deutschland stehe vor gewaltigen Herausforderungen, die die Wirtschaft und Arbeitswelt in rasantem Tempo verändern würden. Exemplarisch nannte er die Digitalisierung, die künstliche Intelligenz, den demografischen Wandel und den Klimawandel. Mit rund einer Million Betrieben und rund 5,6 Millionen Beschäftigten bundesweit sei das Handwerk kein Randakteur, sondern zentraler Gestalter der Transformation: „Wir sind diejenigen, die umsetzen, was politisch beschlossen und technologisch entwickelt wird.“
Gemeinsam müsse man daher junge Menschen frühzeitig für das Handwerk begeistern und kontinuierlich qualifizieren. Insofern sei das HBZ mehr als ein Gebäude: „Es ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Region.“
Ähnliche Worte fand Katharina Semmler als Geschäftsführerin des HBZ: „Bildung ist die nachhaltigste Form von Wirtschaftsförderung. Jede bestandene Gesellenprüfung, jede Meisterqualifikation, jede gelungene Betriebsübernahme stärkt unsere Region dauerhaft.“ In mehr als 50 Werkstätten und 26 verschiedenen Berufen qualifiziere das HBZ jährlich fast 10.000 Nachwuchs- und Führungskräfte im Handwerk.
Im Anschluss diskutierte Dr. Marie-Theres Thiell mit Jürgen Kroos und Laura Saathoff, Installateur- und Heizungsbaumeisterin der Fraune GmbH aus Altenberge, über die Realität und Chancen für junge Menschen im modernen Handwerk.
Für die 30-jährige Laura Saathoff war der Gesellinnenbrief nur der Anfang. Der Meistertitel bedeute für sie: Verantwortung übernehmen, Prozesse gestalten und die Qualität der Energiewende aktiv mitbestimmen. Sie betonte aber auch, dass es im Handwerk oft noch alte Rollenbilder und zu wenig sichtbare weibliche Vorbilder gebe: „Wir brauchen mehr Sichtbarkeit für Frauen in Führungspositionen und technische Berufe, die schon in der Schule als selbstverständlich vermittelt werden.“
Auf die Frage, was er Eltern rät, die nur im Studium das Heil sehen, entgegnete Jürgen Kroos klar: „Das Handwerk ist kein Plan B. Mit Aufstiegschancen und einem Lebenseinkommen, das mit Akademikern mithalten kann, bietet die berufliche Bildung eine krisenfeste und sinnstiftende Karriere“ Zugleich nutzt Kroos die Gelegenheit, um Werbung für das Projekt „Fit for Life“ zu machen. Dieses ziele darauf ab, Jugendlichen lebenspraktische Fähigkeiten und die Faszination für das Handwerk frühzeitig und praxisnah zu vermitteln.
Abschließend besichtigten die Teilnehmenden zwei Werkstätten:
- In der Grünen Werkstatt erfuhren alle, wie das Handwerk die Energiewende meistert und wie eine Eisspeicherheizung funktioniert.
- In der Zweiradmechanik berichteten drei angehende Meister über ihren beruflichen Werdegang und ihre Erfahrungen im Handwerk.
Die Veranstaltung klang bei einem Imbiss und vielen Gesprächen aus.










